Die Skepsis einiger meiner Leser zum Thema kenne ich, dennoch: Es gibt Neuigkeiten! Spiegel Online lädt ein:
Ich selbst stamme aus einer Großfamilie, die ziemlich AD(H)S-belastet ist und habe zudem auch noch in eine solche hineingeheiratet. Ich erlebte den seltenen Zustand, daß alle Großeltern hoch betagt waren, bevor sie starben. Das ermöglichte mir ein intensives Kennenlernen, aber auch die Beobachtung ihrer Entwicklung im Alter, die heute manche Lücke in meinem ganz persönlichen “Lebens-Sudoku” schließt. Meine Eltern sind mittlerweile auch im betagten Alter, und auch hier kann ich Sequenzen beobachten, wie sie Professor Ermann beschreibt.
Selbst ein Kriegsenkel, hatte ich aber eine glückliche und unbeschwerte Kindheit. Für meinen Trotz und meine Wutanfälle war ich bekannt, aber diese verrauchten ja immer sehr schnell, und mir selbst haben sie nie wirklich Kummer bereitet. Ich bin mittlerweile schon fast überzeugt davon, daß Angst und Schrecken genetische Veränderungen bewirken, ganz so wie es die Forschung von Moshe Szyf beschreibt. Über ihn berichtete ich bereits im Rahmen der Epigenetik. Hier nun noch ein sehr ausführlicher Artikel zum Thema: “Bruch des bösen Zaubers” . Auch Prof. Spangenberg, Uni Hannover, siehe unter “Tic notices” forscht in diesem Thema.
Das alles passt mal wieder sehr gut in die Zeit. Ich werde nächste Woche eine Veranstaltung besuchen, auf der es um die Erforschung neuer Therapieformen geht, die sich an genetischen Mustern orientieren: “Auf dem Weg zur individuellen Therapie”. Es geht darum, individuelle Empfindlichkeiten zu eroieren und Nebenwirkungen zu minimieren. Der Leiter des IKP, Matthias Schwab, wird sicherlich aufschlussreich referieren.
Ohne Geschichte keine Zukunft! Dieser Spruch scheint sich mehr und mehr zu bewahrheiten …? Die Ursachen sind ganz offensichtlich nicht direkt gesellschaftlicher Natur, sondern biologisch erklärbar. Eine indirekte Beteiligung durch unsere Vorgängergesellschaften wird jedoch immer wahrscheinlicher, da nützt auch die ausgefeilteste Verdrängungskunst nichts. Ich jedenfalls bin höchst gespannt auf die Erkenntnisse der Zukunft.
>”Die Skepsis einiger meiner Leser zum Thema kenne ich”
@Achter
Klare Ansage! Schlagfertige Reaktion!
Hab’ mir allerdings verkniffen, zu schreiben, daß es auch Leser hier gibt, die brennend daran interessiert sind. Leider gibt es “Verhalten” und “Nichtverhalten”, was Informationsmanagement betrifft und das wird von der “Partei”, die ich meine oftmals so benutzt, daß es zwar genutzt wird, man sich aber ansonsten erhaben fühlt …
Für manche Bauchkribbler sind halt Bachblüten das Ersatzweihwasser
Ich mache da aus meinem Herzen keine Mördergrube
Pingback: Epigenetik - die neue Dimension eines alten Kampfes? « Tiggers Gedankengänge
Reflektion auf den Artikel von tigger im Pingback:
Interessante Betrachtung! Schwieriges Verständnis im Hinblick auf den Untertitel!
Bei dieser Betrachtung fehlt mir die Mehrdimensionalität inbezug auf Vererbungslehre und der direkte Hinweis auf mehrere Generationen in Folge.
Welchen Sinn macht Forschung, wenn man med/biologische Ansätze nicht verfolgt und nutzt? Forschungsansätze entstehen immer ganz klar sozialwissenschaftlich und Forschungsergebnisse reflektieren sich im sozialen Erleben. Die Gefahr eines ideologischen Mißbrauchs ist somit immer gegeben, aber Gesellschaft ist zuständig für den Wirkungsgrad. Die Angst vor der “Schuldfrage” lähmt Entwicklung und fördert unsoziales Verhalten.
Aufgabenstellungen in Gegenwart und Zukunft sind komplex und eine Scheu davor sollte uns nicht in die Steinzeit katapultieren. Allein Sehnsucht nach Einfachheit und Struktur darf das nicht ermöglichen.
Soziale Tragfähigkeit stellt sich immer dann in Frage, wenn wichtige statische Elemente wegbrechen und somit sozialer Rückbau ermöglicht wird.
Wellness und Weihwasser-Bachblüten mögen gelebtes Leben erleichtern, allerdings funktionieren sie genauso wie Verdrängung.
Von einer eventuell erfolgreichen Nachhaltigkeit werden uns die 2. und 3. Generation nach uns berichten können – leider können wir dann nicht mehr zuhören …
Hi sunny,
Du kannst gerne auf meinem Blog zum Thema diskutieren.
>>Interessante Betrachtung! Schwieriges Verständnis im Hinblick auf den Untertitel!
Bei dieser Betrachtung fehlt mir die Mehrdimensionalität inbezug auf Vererbungslehre und der direkte Hinweis auf mehrere Generationen in Folge. <<
Diese beiden Sätze verstehe ich nicht. Kannst Du evl. mehr konkretisieren, was genau Du damit meinst?
Es ging mir um eine wissenschaftliche Betrachtung des Themas und um Nachvollziehbarkeit. Hypothesen sind ja schnell aufgestellt, aber sie sollten schon auf einem logisch nachvollziehbaren Hintergrund basieren.
Mit Verdrängung hat meine Sicht sicher nichts zu tun, sonst hätte ich mich dem Thema gar nicht erst gewidmet.
LG tigger
Hallo tigger,
es fällt mir ehrlich gesagt etwas schwer, hier “direkt” zu Deinem Artikel zu diskutieren. Dein Artikel ist gut, zweifelsfrei – auch wissenschaftlich ausgearbeitet, trifft aber nicht die Richtung, die mich vordergründig interessiert.
Zum Untertitel: “alter Kampf” – was ist das? Genau davon würde ich gerne mal wegkommen im Rahmen solcher Diskussionen. Natürlich ist das Wissen der Vergangenheit superwichtig, aber wir sollten es endlich benutzen um Chancen für die Zukunft zu entwickeln und nicht immer gleich von vornherein abwürgen, was heikel ist.
Ich erinnere an die interessante Diskussion vor ein paar Wochen, über das Elternpaar in England, welches vor der künstlichen Befruchtung das Brustkrebs-Gen ihres zukünftigen Kindes hat isolieren lassen. Die Behindertenorganisationen sind reihenweise im Kreis gesprungen, weil sie für sich eine minderwertige Behandlung erwarten. Die Angst vor dem künstlichen Menschen steigert sich sofort ins Unermeßliche. George Orwell & Co. werden im Internet rauf und runter diskutiert usw. usw.
Es gibt aber Krankheiten und Störungen, die sind so brutal unmenschlich, daß man m.E. unbedingt menschliches Wissen, welches durch Forschung entsteht nutzen sollte. Die Umsetzung gesellschaftlicher Natur liegt in unser aller Verantwortung – warum scheuen wir sie?
Zu einer solchen unmenschlichen Erkrankung kann ein Tourette-Syndrom gehören (muß nicht!). Bisher nahm man an, es würde autosomal dominant vererbt. Diese Hypothese besteht aufgrund neuester Forschung nicht mehr, man weiß inzwischen, daß die Disposition im Erbgang vorhanden ist, aber nicht zum Zuge kommen kann (!) Die andere Variante ist die der Verdrängung, die aus gesellschaftlichen Gründen entstanden ist, aber auch nur bei Leuten funktioniert, die Tics bewußt lenken können. Es ist deshalb wichtig, große ADHS-Familien in Studien zu bekommen, möglichst über mehrere Generationen. Da dies natürlich nicht funktionieren kann, ist Überlieferung in Form von Berichten wichtig.
Verdrängung habe ich Dir nicht vorgeworfen! Ich habe sie lediglich dem gegenübergestellt, welches uns oft genug Betroffene bieten mit ihrem Eso- und Wellnessquark, und das nur um sich selbst zu beruhigen. Letztendlich ergibt sich die Aufgabenstellung für uns alle, daß naturwissenschaftliche Forschung und Sozialwissenschaften besser und enger zusammenarbeiten müssen, aber das genau liegt wahrscheinlich in weiter Ferne …
“daß naturwissenschaftliche Forschung und Sozialwissenschaften besser und enger zusammenarbeiten müssen, aber das genau liegt wahrscheinlich in weiter Ferne …”
Es gibt zu diesem Thema ein waahnsinnig gutes Buch, kann ich nur empfehlen:
Steven Pinker – Das Unbeschriebene Blatt.
Ein Punkt dabei ist, daß Sozialwissenschaften noch sehr abhängig sind von einem politisch korrekten Menschenbild welches nicht immer dem Stand naturwissenschaftlicher Forschung entspricht. In diesem Zustand ist manche Lehrmeinung der Sozialwissenschaft nicht unbedingt kooperationsfähig bzw. kompatibel.
Prinzipiell hast du aber sicher Recht
´
Weil sie ideologisch belastet ist, bewußt und unbewußt!
Vielen Dank für den Buch-Tipp! Liest sich interessant!
Darf ich diese Link zum Thema Neuro-Wissenschaft und Therapien anbieten?
http://www.emak.org/B%FCcher%20und%20Filme/janov.htm
@SWA: Einer sachlichen Diskussion stehe ich offen gegenüber. In diesem Sinne distanziere ich mich in großen Teilen von der Primärtherapie, weil ich Ursachen vieler gesundheitlicher Störungen eher in vorgeschichtlichen Ereignissen genetischer Familien sehe. In Geburt und Schwangerschaft können auslösende Faktoren entstehen, aber viele Faktoren bringen Eltern schon aus ihrer eigenen genetischen Geschichte mit. Die Belastung durch Traumatisierung kann schon viele Generationen vor dem Ausbruch einer Krankheit entstehen.
Therapien stehe ich in diesem Sinne skeptisch gegenüber, weil die biologische Informationsverarbeitung über mehrere Generationen einem zu großen Adress-Verlust unterliegt. Konfrontationstherapien können so gesehen nicht funktionieren.
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